Die 3-Dimensionalität des Menschen

Eine Darstellung des Wesen des Menschen ist aber nicht vollständig, wenn sie sich nur mit der Freiheit begnügt. Zum Menschen außerdem gehört es, dass er einen Körper hat und dass er ein Wesen mit psychischen Vorgängen ist, also denken, wahrnehmen und empfinden kann.

Durch den Körper ist dem Menschen eine Außenwelt zugänglich, ja der Körper lässt die Dinge erscheinen. Wir sprechen auch von der phänomenalen Ebene oder der Dimension des Sichtbaren, Fühlbaren, Hörbaren, Schmeckbaren und Riechbaren. Unsere Sinne eröffnen eine Welt, die nicht wir selbst sind und die deswegen als Umwelt zu verstehen ist. In dieser Umwelt begegnen dem Menschen andere Objekte, welche sich manchmal als andere Menschen enthüllen, manchmal als Tiere und manchmal als anorganische Materie.

Die psychische Dimension des Menschen umfasst all die Prozesse, durch die der Mensch mit den Reizen seiner Umwelt in den Kontakt kommt. Diese Prozesse sind das Wahrnehmen in all seinen Hinsichten und das Denken, also das Anordnen und Umstrukturieren der Begriffe und Symbole, welche sich im psychischen Apparat anstelle der realen Reize in der Umwelt niedergelassen haben und damit als Repräsentanten der Umwelt fungieren.

Der Geist und damit der eigentliche Sitz des Wesen des Menschen, also seiner Freiheit und seines Willens, macht die Dreidimensionalität komplett. Im Geist sitzend, stehen wir nicht abstandslos in unserem Körper oder und in unserer Psyche, sind wir nicht total eins mit Körper oder Psyche, sondern sind diesen beiden gegenüber. Zumindest können wir unserem Körper und unserer Psyche gegenübertreten und zu Ihnen Stellung einnehmen, uns also zu ihnen verhalten als wären sie nicht mit uns verwachsen. Diesen Umstand hat Viktor Frankl systematisch aufgezeigt, womit er sich angelehnt hat an die Idee der Anwesenheit-bei-sich, welche schon von Hegel gesehen wurde, aber vollends in und durch Sartre philosophisch entwickelt worden ist.

Der Geist, durch den wir in einer fruchtbaren Distanz zu unserem Körper und unseren psychischen Prozessen stehen oder stehen können, wenn wir denn nur wollen, ermöglicht uns ein Leiden am Leiden, eine Freude über das Freuen, eine Angst vor der Angst oder eine Wut über das Wütendsein. Hier finden die geistigen Bewertungen derjenigen psychischen Wertungen statt, die sich auf die körperliche Umwelt und Innenwelt beziehen. Ein Leiden am Leiden oder ein Wütendsein über den eigenen und ständigen Zorn auf jemanden kann uns belasten und andersrum kann unsere Freude dadurch gesteigert werden, dass wir uns darüber freuen, stets und ständig voller Freude zu sein. Diese geistigen Bewertungen zweiten Grades drücken unsere Einstellung zur Welt aus.

Die Philosophische Therapie macht sich die Freiheit des Geistes zu nutzen und findet in diesem Geist den Gesprächspartner. Sie ermuntert den Menschen, bringt ihn durch gezieltes Fragen und durch die vorschlagende Gesprächsführung in die Möglichkeit des Abstandes zu seinem eigenen Leiden, zu seiner Umwelt und damit zu sich, zu seinen Gewohnheiten und seinen psychisches Fleisch gewordenen Denkweisen.

Auch in dem Falle, da der Betroffene in der Praxis Zweifel an der Freiheit des Menschen hat, kann eine Diskussion über diese Freiheit befreienden Charakter annehmen und zum innerlichen Abrücken vom eigenen Problem führen.

Martin Wende 

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