Existentielles Menschenbild

Die Therapeutische Philosophie sieht den Menschen als ein freies Wesens an: Freiheit des Denkens, frei zur Entscheidung, frei zu wollen, in jeder Situation ein Entweder-Oder habend und damit unbedingt frei zu sein. Zugleich ist der Mensch dadurch für jeden seiner Schritte, seiner Handlungen, seiner Gedanken und selbst für jede seiner Emotion selbst verantwortlich. Verantwortlich ist er, eine Gelegenheit genutzt zu haben oder eben, sie nicht genutzt zu haben. Verantwortlich ist er, jenem Kommentar von seinem Mitmenschen mehr Bedeutung beigemessen zu haben als einem anderen und damit unter den emotionalen Folgen dieses Kommentars zu leiden.

Diese Freiheit ist das Wesen des Menschen und mit ihr ist der Mensch kein spezifisch zu beschreibendes Sein, sondern er ist ein Wesen, das sich sein Leben lang ein Sein zu geben versucht. Wir entscheiden uns, diese oder jene Handlung zu begehen, um dieses oder jenes Objekt herzustellen oder dieses oder jenes Ziel zu erreichen. Was zwischen dem Menschen als freies Wesen und dem in der Erscheinungswelt sichtbaren Endziel der Handlung steht, ist die Entscheidung und die Wahl. Durch die Entscheidung beginnt der Mensch, sich in der Erscheinungswelt und damit in der Welt der Mitmenschen sichtbar zu machen, sich zu verkörpern. Von hier an liegt alles, was aus der Verkörperung entsteht, in seiner Verantwortung, denn er hat es durch Wille, Wahl und Entscheidung initiiert.

Problematisch können diese Freiheit und diese Verantwortung für den Menschen allemal werden. So zeigt es sich, dass verschiedene Krisen, die ein Mensch durchleben kann, sich als ein Problem im Umgang mit oder im Verhältnis zur eigenen Freiheit darstellen oder dass das Verantwortlichsein zu einer erdrückenden Last wird. Lüge, Süchte, Flüchte sind hier Symptome dieser problematischen Dynamiken, die sich aus dem unzureichend sicheren Umgang mit der eigenen Freiheit, den eigenen Möglichkeiten und der eigenen Macht zur Wahl ergeben. Der Mensch steht ständig im fragwürdigen Verhältnis zu seinem eigenen Willen, zu seinen eigenen Möglichkeiten, zu seinem eigenen Tod – dem Ende aller Möglichkeiten. Aus dieser Fragwürdigkeit kann eine Unsicherheit im Gebrauch der eigenen Freiheit entstehen und diese Unsicherheit manifestiert sich dann symptomatisch in einer Entscheidungsschwäche, in einem Urzweifel – das Gegenstück zum Urvertrauen – oder in einer charakterspezifischen Fluchttendenz.

Diese Dynamik gilt es in der Therapie präzise zu erfassen, um ein existenzielles Problem auf seinen genauen Ursprung zurückzuführen. Je nach Problem des Betreffenden ist es das Ziel der philosophischen Therapie, ihm einen gelingenden Umgang mit seiner Freiheit zu ermöglichen, ihm die Furcht vor der Verantwortung zu nehmen und ihn an den Punkt zu bringen, an dem er seinen eigenen Weg wieder frei wählen kann.

Martin Wende 

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