Schulenstreit

Die Psychologie beispielsweise ist seit mehr als hundert Jahren uneins, ob sie den Menschen als ein freies Wesen versteht oder ob der Mensch, ja das Ich im Grunde seines Handelns unfrei, weil getrieben ist und ob ihm deswegen nicht eher die Moderatorrolle im eigenen psychischen und körperlichen Geschehen zufällt. Viel eher Moderator als Initiator, so könnte man das Menschenbild der Freudschen Schule pointieren.

Dagegen setzen sich Strömungen, Schulen und Denkansätze, wie der in der Philosophie vor etwa 150 Jahren aufgetretene und in der Psychologie und Psychotherapie seit einigen Jahrzehnten auch zunehmend vertretene Ansatz des 'Existenzialistischen'. Hierunter wird der Mensch als Existenz verstanden. Als Existenz ist der Mensch grundlegend frei und wählt sein eigenes Sein selbst. Sprich, der Mensch ist nicht, sondern er versucht sich mit jeder Handlung ein Sein zu geben. Der Mensch wird dadurch Initiator seines eigenen Seins, ist Ursache seines Handelns und seines Denkens. Gemeinsam mit diesem Menschenbild der grundlegend freien Existenz treten die Themen der Verantwortung, der Wahl und des Willens und des Sinnes verstärkt in den Vordergrund des philosophisch-psychologischen Analyse- und Therapieprozesses.

Die philosophischen Vertreter und Begründer dieses 'Existentialistischen Ansatzes' und diejenigen Philosophen, auf die ich mein eigenes Denken und Arbeiten hauptsächlich gründe, sind Sören Kierkegaard, Martin Heidegger, Jean-Paul-Sartre und Albert Camus. Karl Jaspers hat als Psychiater und Philosoph diesen Ansatz frühzeitig für die Psychologie nutzbar gemacht, genauso wie Ludwig Binswanger und Ronald D. Laing. Viktor Frankl hat die Existenzphilosophie dann systematisch mit der Psychologie verbunden und daraus eine eigenständige Psychotherapieform entwickelt, die 'Logotherapie'. Außerdem hat sich Irvin D. Yalom sehr verdient gemacht um eine eigenständige 'Existenzielle Psychotherapie'.

Diese Existenziellen Ansätze werden heute von vielen Seiten verstärkt für die psychologische Psychotherapie eingefordert, da, so die verbreitete Meinung, eine Psychotherapie nicht gründlich genug arbeitet und die wesentliche Dimension des Menschseins außer Acht lässt, wenn Sie die Themen wie Freiheit, Wahl, Verantwortung, Vereinsamung und Tod nicht in ihren Bezugsrahmen einbezieht.

 

Ein Hauptanliegen der Therapeutischen Philosophie ist es, diesen Weg der Fokussierung des Wesentlichen am Menschsein, also sein Freisein, seinen Willen und sein Verantwortlichsein weiter zu gehen und damit dem Menschen in seiner Ganzheit gerecht zu werden.

Martin Wende 

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